Balkonien

Traumland Balkonien

Eine begehbare Platte, die in einer oberen Etage aus der Fassade eines Bauwerks herausragt, nennt man im Allgemeinen Balkon, während Freiflächen, die keinen Vorsprung außerhalb der Fassade haben, exakter mit dem Begriff Loggia (aus dem Italienischen: überdeckter Raum am Haus, der nach außen offen ist) bezeichnet werden. Balkone bzw. Loggien werden entweder von einer Brüstung, einer Balustrade oder einem Geländer eingefasst, das aus sicherheitstechnischen Gründen eine gewisse Mindesthöhe aufweisen muss, die von den jeweils geltenden länderspezifischen Verordnungen abhängig ist.

Bauweise

Mit den Bezeichnungen Auskragung oder Vorkragung beschreibt die Architektur ein aus der Wand vorragendes Tragelement. Das so genannte Auflager wird an einem Ende oder in der Mitte gestützt, während auf sein freischwebendes Teil, auf dem Bauteile wie Balkone, Balken, Bögen, Unterzüge oder Erker liegen können, Kräfte übertragen werden. Als Baumaterial für das Tragelement kommen u. a. Holz, Stein (Balkenstein) oder Eisen zum Einsatz.

Anschluss an den Baukörper

Wenn ein Balkon mit dem Baukörper verbunden werden soll, ergeben sich Schwierigkeiten im Anschluss an das und im Dichteanschluss zum Gebäude. Beispielsweise ist analog zu Anschlüssen am Sockel eines Hauses auch bei einem fest angebauten Balkon Folgendes zu beachten:

  • Schwellen an Eintritten sind mit einer ca. 150 Millimeter hohen Umfassung zu versehen.
  • Ein Dicht- und Spritzschutz muss gewährleistet sein.
  • Balkone, die nicht direkt mit dem Baukörper verbunden sind, entstehen wesentlich preisgünstiger und energiesparender (da die Wärmeausleitung hier unterbrochen ist und somit nicht stattfindet). Sie sind im Allgemeinen in Bau, Konstruktion und Pflege einfacher gestaltet bzw. zu handhaben, was diverse Eigenleistungen und weitere Geldeinsparungen ermöglicht.
  • Grundsätzlich gilt, dass das nachträgliches Anbringen eines Balkons baurechtlich genehmigt werden muss.

Konstruktionsbeispiel

Der Balkon wird nicht fest mit dem Bauwerk verbunden, um die Baudynamik zu kontrollieren und die Probleme eines direkten Anschlusses zu umgehen. Vielmehr steht der Balkon auf zwei Stützen, die nur mit Gelenken fixiert werden. Dies ist notwendig, da selbst ein großes Fundament für die Stützen nicht starr bleibt, sondern mit dem Untergrund arbeitet. Für die erforderliche Metallkonstruktion wird ein Metallfuß in das vorbereitete Fundament eingegossen. Er ist so konstruiert, dass er mit einer Stellschraube vertikal reguliert werden kann, was ein Nachjustieren ermöglicht. Deshalb ist es auch erforderlich, dass die Verbindung mit dem Haus beweglich befestigt ist.

Holz als Baumaterial

Ideal für alle Bauteile aus Holz im Freien sind unbehandelte Tropenhölzer. Die Verwendung von vierkantigem Holz sollte man vermeiden, weil die Balken bzw. Bretter dann besonders leicht faulen. Schrägt man die Balken jedoch um ca. 15 Grad ab, so wird die Auflagefläche auf ein Minimum reduziert. Wasser und Schnee können besser von den Balken ablaufen - und dies verlängert ihre Haltbarkeit erheblich.

Balkonverglasung

Ein verglaster Balkon lässt sich mit einem Wintergarten vergleichen, sodass auch hier die erwünschte Nutzung an sonnigen Tagen im ganzen Jahr erzielt und eine Oase für Pflanzen geschaffen werden kann.

Vorteile eines solchen verglasten Balkons sind:

  • Der Nutzungszeitraum des Balkons wird erheblich verlängert.
  • Durch die Verglasung wird die Sonne auf dem Balkon eingefangen, sodass ein Sitzen im "Freien" schon bei relativ niedrigen Außentemperaturen möglich wird.
  • Der Balkon ist gegen Lärm, Regen und Schmutz geschützt, sodass Balkonmöbel und viele Pflanzen im Winter nicht mehr in den Keller geräumt werden müssen.

Konstruktionsbeispiel

Eine Möglichkeit der Balkonverglasung ist eine nicht wärmegedämmte Ganzglas-Schiebe-Konstruktion, die sich so beschreiben lässt:

  • Einscheiben-Sicherheitsgläser in 6 oder 8 mm Stärke kommen zum Einsatz.
  • Befestigung bzw. Fixierung: Die Scheiben werden oben und unten durch waagerechte Aluminium-Profile gehalten.
  • Die senkrechten Scheibenkanten sind nicht durch Profile gehalten, sodass eine freie Durchsicht nach außen gewährleistet ist.
  • Öffnen: Die einzelnen Scheiben der Verglasung können wahlweise nach rechts oder nach links geschoben und dort wie Fensterflügel nach innen geschwenkt werden. Durch das Schwenken nach innen lassen sich auch die äußeren Glasflächen leicht vom Balkon aus putzen.
  • Lüften: Bestimmte Flügel verfügen über eine zweistufige Lüftungsstellung.
  • Eine solche Konstruktion ist sowohl für Altbauten als auch für Neubauten realisierbar.
  • Ratsam ist gerade bei Arbeiten am Balkon die fachgerechte Planung und Ausführung, um einerseits Verletzungs- bzw. Sturzrisiken und andererseits Schäden an der Verkleidung bzw. am Balkon zu vermeiden.

Balkongestaltung

Planung

Die Balkonbegrünung bzw. -bepflanzung setzt eine sorgfältige Planung voraus, für die sich das Anfertigen einer Skizze oder besser eines maßstabsgetreuen Grundrissplans des jeweiligen Balkons empfiehlt. Die Aufteilung der zur Verfügung stehenden Balkonfläche wird unter Berücksichtigung der folgenden Elemente durchdacht, strukturiert und dementsprechend eingezeichnet:

  • Himmelsrichtungen
  • Anzahl und Maße der gewünschten Balkonkästen
  • Platzbedarf für Balkonmöbel wie Tische, Stühle, Liegestühle, Hollywoodschaukel etc.
  • Raum für Kübel, Tröge, Blumenkästen etc.

Umgestaltung

Der Balkonboden kann nach vorheriger Absprache mit dem Wohnungseigentümer auch vom Mieter umgestaltet werden durch:

  • Einen Anstrich mit Spezialfarben,
  • das Verlegen von Holzrosten, Keramikfliesen oder etwa dünnen Steinplatten,
  • das Bedecken mit Kunstrasen aus Plastik oder mit einem Kunststoffbelag.

Höchstgewicht

Ein Höchstgewicht von ungefähr 250 kg pro Quadratmeter darf nicht überschritten werden. Neben schweren Bodenbelägen können auch große bepflanzte Blumenkübel eine solche Masse verursachen.

Literatur

  • Berger, Wilfried: "Bauen und Wohnen mit Holz - Erfolgreiche Planung und Holzverarbeitung bei Neubau, Ausbau und Renovierung", Eberhard Blottner Verlag, Taunusstein 1999

Bepflanzung

Ideen für Balkonbepflanzungen sind zu finden:

  • In Büchern
  • In Zeitschriften
  • In der Umgebung (man kann Ideen für die Begrünung von Terrassen und Balkons bei Nachbarn sammeln und übernehmen)

Bedürfnisse der Pflanzen

Zu beachten ist, dass für alle Pflanzen optimale Wachstumsbedingungen bezüglich Himmelsrichtung, Lichteinfall, Wärme und Feuchtigkeit gewährleistet sind. Nicht winterfeste Balkon- und Kübelpflanzen brauchen einen kühlen, frostfreien Platz zum Überwintern. Ein Wintergarten ist dafür ideal; auch Garage, Gartenhäuschen oder Kellerräume sind geeignet, wenn genügend Lichteinfall gewährleistet ist.

Die Markise

Markisen setzen optische Akzente und verhindern, dass es auf dem Balkon und auch hinter den Fenstern in der Wohnung bei allzu intensiver Sonnenbestrahlung zum Hitzestau kommt. Gleichzeitig dienen sie als Blend- und Sichtschutz, lassen aber dennoch genug Helligkeit in die Räume. Korrosionsgeschützte Materialien für die Gelenkarme und die richtige Wahl des Markisentuchs sind wichtig, damit die Vorrichtung lang funktionstüchtig bleibt. Bei Regen oder starkem Wind müssen die Markisen eingefahren werden. Entsprechende Steuerungen sind z. B. als automatische Wind- und Regenwächter im Baumarkt erhältlich.

Balkonmöbel

Für den Außenbereich besonders geeignet sind Kunststoffmöbel. Sie sind preiswert und pflegeleicht. Einfache Stühle sind schon für weniger als 25 Euro erhältlich. Es werden auch Möbel für kleine Balkone aus Kunststoff gefertigt, die sich in der Höhe verstellen lassen und zusammenklappbar sind. Kunststoffmöbel sind witterungsempfindlich. Sie müssen im Winter trocken und frostfrei gelagert werden.

Balkonsanierung

Als Eigentümer eines Hauses oder einer Wohnung müssen Sie sich in regelmäßigen Abständen selbst um die Balkonsanierung kümmern. Alle zehn Jahre ist eine gründliche Untersuchung auf Schäden anzuraten. Wenn der Fußboden Risse aufweist oder der Beton abbröckelt, ist eine umfassende Sanierung nur mit fachmännischer Hilfe durchzuführen, da in diesen Fällen auch die Statik des Balkons überprüft werden muss. Auch die Arbeit mit Reaktionsharzen bleibt aus Sicherheitsgründen dem Fachmann vorbehalten. Kleinere Schäden können aber in der Regel in Eigenarbeit behoben werden:

Neben den einfachen Anstricharbeiten an Geländer und Holzbalken ist hier vor allem die besonders wichtige Reparatur kleinerer Risse oder Ausbrüche an der Estrichoberfläche zu nennen. Gerade solche Schäden sollten noch vor dem nächsten Winter behoben werden, denn wenn in ihnen Wasser gefriert, dehnen sie sich erheblich aus. Solche Schadstellen (bis zu 5 mm tief) werden ausgekratzt, gereinigt, angefeuchtet und am besten mit speziellem Modelliermörtel ausgebessert. Ist der Mörtel ausgehärtet, bearbeitet man die ganze Balkonfläche mit einem flüssigen Dichtungsmittel (im Fachhandel erhältlich). Dazu reinigt man die Fläche sorgfältig, trägt eine Haftgrundierung und dann in zwei Schichten das flüssige Dichtungsmittel auf (Anwendungshinweise beachten).

Tiere auf dem Balkon

Kleine Haustiere wie Wellensittiche dürfen auf dem Balkon gehalten werden, auch wenn Nachbarn daran Anstoß nehmen sollten. Wichtig ist eine artgerechte Haltung. Es ist darauf zu achten, dass die Tiere weder praller Sonne noch Zugluft ausgesetzt sind.

Tipps!

Baum im Kübel

Stauden und Hochstämme eignen sich besonders gut als größere Balkonpflanzen. Durch eine farblich abgestimmte Unterpflanzung können Sie die kahlen, unteren Bereiche kaschieren.

Hängepflanzen

Als Hängepflanzen für Blumenkästen geeignet sind einjährige Pflanzen mit hängenden Trieben, z. B. Blaue Mauritius, Lobelie, Husarenknöpfchen, Efeu, Immergrün und Geranie in einem Pflanzabstand von 15-20 cm innerhalb einer Reihe.

Bewässerungsanlage

Eine automatische Bewässerungsanlage mit Steuergerät und Feuchtigkeitssensor garantiert die optimale Wasserversorgung Ihrer Balkonpflanzen. Steuergerät an den Wasserhahn anschließen und Schlauch zum Basisgerät führen. Der Sensor schaltet bei ausreichender Feuchtigkeit die Wasserzufuhr ab.

Quelle: Der Alltags-Brockhaus, © Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim